FLiB-Pressemeldung 11/2012

Häufig harmlos, oftmals kritisch – Von der Kunst der Leckagebewertung bei Gebäuden

Häufig harmlos, oftmals kritisch Wann ist eine Undichtigkeit in der luftdicht auszuführenden Gebäudehülle bedeutsam und wann nicht? So lautet eine der häufigsten Fragen, die dem Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V.) gestellt wird. „Die Sache ist die“, weiß Dipl.-Ing. Oliver Solcher, Geschäftsführer des in Berlin ansässigen Verbandes: „Eine einfache und auf alle Fälle anwendbare Regel für das Bewerten von Leckagen gibt es leider nicht.“ Wohl aber Tipps für die Herangehensweise, mit deren Hilfe man sich einer Antwort nähern kann.

Will man die Bedeutsamkeit einer Leckage einschätzen, muss klar sein, welche ihrer Wirkungsweisen näher beleuchtet werden soll. Denn Fehlstellen in der luftdichtenden Ebene können Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Bereiche haben: Beispielsweise können sie die Funktionsfähigkeit einer Lüftungsanlage und den Energieverbrauch eines Gebäudes beeinflussen, sich auf das Wohlbefinden seiner Nutzer auswirken oder auch, unter ungünstigen Bedingungen, für Feuchteschäden an der Konstruktion verantwortlich sein.

Vor diesem Hintergrund betrachtet man die einzelnen Merkmale der Leckagen sowie weitere Einflussfaktoren: Wo im Gebäude – beispielsweise im Dach- oder Erdgeschoss – befinden sich die Luftlecks und welche Größe beziehungsweise Fläche und Form haben sie? Mit welcher Geschwindigkeit werden sie bei vorgegebener Druckdifferenz zwischen innen und außen durchströmt? Wie ist die hinter der Leckage liegende Konstruktion aufgebaut? Wie werden die betroffenen Räume genutzt? Auch Anforderungen spezifischer Regelwerke oder vertragliche Vereinbarungen können eine Rolle spielen.

Je nachdem, welcher der zuvor aufgeführten Wirkungsweisen man sich zuwendet, erhalten die Antworten auf diese und ähnliche Fragen unterschiedliches Gewicht – und ein und dieselbe Leckage ganz unterschiedliche Bedeutsamkeit. Beispiel: Die im Dachgeschoss gefundene Fehlstelle kann für die Energiebilanz des Gebäudes völlig nebensächlich sein und auch keine unangenehmen Zuglufterscheinungen erzeugen, langfristig aber zur Ursache eines Bauschadens durch ausströmende Raumluft werden. Bereits dieser einfache Fall zeigt, wie viele Faktoren beim Bewerten von Luftlecks zusammenspielen. „Wer einen so genannten Grenzwert für die Strömungsgeschwindigkeit oder gar den Dichtheitsnachweis für das Gesamtgebäude als einzigen Maßstab zum Beurteilen von Leckagen heranzieht, greift zu kurz“, betont man beim FLiB. Dennoch komme dies in der Praxis leider vor. Außerdem sei anzumerken, dass eine intensive Leckagesuche, die das Bewerten der Fehlstellen mit umfasst, über die Leckageortung im Rahmen eines Standard-Luftdichtheitstests hinausgehe.

Das Suchen und Bewerten von Leckagen steht übrigens auch im Mittelpunkt des FLiB-Messeauftritts auf der BAU 2013: In Halle B0, Stand 7, können Besucher an einem Gebäudenachbau Leckageortung praktisch erproben. Ziel des gemeinsam mit dem Bundesverband für Angewandte Thermografie e. V. betriebenen Standes ist es, auf die Wichtigkeit baubegleitender Qualitätskontrollen aufmerksam zu machen. Die BAU findet vom 14. bis zum 19. Januar 2013 in München statt.

(Fotozeile)
Ist diese fehlerhafte Verklebung kritisch?
Je nach Blickwinkel und Einzelfall kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
So ist es durchaus möglich, dass sie weder nennenswerte Lüftungswärmeverluste noch
Zugluft verursacht und dennoch Ursache eines Bauschadens wird.

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Allgemeine Hinweise:
Für weitere Presseauskünfte und Rückfragen:
Dipl.-Ing. Oliver Solcher
Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e. V. (FLiB e. V.)
Storkower Straße 158, 10407 Berlin
Telefon: +49 30 2903 5634, Telefax: +49 30 2903 5772
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